Die UB startete das Jahr 2026 mit einem besonderen Anlass: Gemeinsam mit den Donator*innen und Vertreter*innen des Rektorats und des Kantons Basel-Stadt feierte sie die Übergabe von 13 verschiedenen Sammlungen in ihre Bestände. Damit wird eine Tradition fortgeschrieben: Seit ihren Anfängen lebt die Bibliothek vom Austausch mit der Stadt, von ihren Sammlungen und deren Stifter*innen, darunter die Familien Amerbach und Faesch. In der UB werden die Dokumente fachgerecht aufbewahrt, erschlossen und, sofern konservatorisch möglich, Stück für Stück digitalisiert. Stellvertretend für die 13 Sammlungen, die der UB dankenswerterweise übertragen wurden – einzelne als Depositum –, stellen wir hier drei näher vor.

Territorium Basileense cum finitimis regionibus, Basel (?) 1729. Universitätsbibliothek Basel, VB A2:2:18
Mit dem Kirchenarchiv und der Vaterländischen Bibliothek gingen 2025 zwei bedeutende Sammlungen als Schenkung in den Besitz der UB Basel über. Beim Kirchenarchiv handelt es sich um eine wertvolle Sammlung der Evangelisch-Reformierten Kirche Basel-Stadt, bestehend aus historischen Manuskripten und Drucken. Nach dem Abriss des Kapitelhauses an der Rittergasse gelangten die wissenschaftlichen Bestände 1886 als Depositum an die UB. Der Bestand umfasst insbesondere Brief- und Aktenbände, unter anderem von Wolfgang Fabricius Capito, Matthias Erb und Bonifacius Amerbach. Die Vaterländische Bibliothek geht auf den Läufelfinger Pfarrer Markus Lutz (1772–1835) zurück, der Akten, Amtsblätter, Broschüren, Karten und Bilder zur Schweizer Geschichte und Politik sammelte. 1826 übernahm die Allgemeine Lesegesellschaft die Sammlung; 1906 wurde ein Teil davon als Depositum der UB Basel übergeben. Der grosse Wert der Sammlungen liegt in ihrer kulturhistorischen Bedeutung: Sie vermitteln ein differenziertes Bild der Geistes- und Kulturgeschichte und machen Denkweisen, Konflikte und Netzwerke sichtbar.

Brief an Robert Sommer von seinem Vater Melchior Sommer, Basel 1894. Universitätsbibliothek Basel, UBH NL 407 : B:1
2024 wurde der UB der Nachlass des Basler Malermeisters Robert Sommer (1868–1956) übergeben. Robert Sommer war eine Persönlichkeit, deren Lebensdokumente man normalerweise nicht in einem Archiv erwartet. Er war weder von hohem Rang noch hat er die Geschichte auf offensichtliche Weise geprägt. Dennoch ist sein Lebensweg von ausserordentlicher Bedeutung für das Verständnis der Sozialgeschichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Die im Nachlass enthaltenen Archivalien, darunter Lebenszeugnisse wie das Wanderbuch von 1889 bis 1892 sowie eine autobiografische Lebensbeschreibung aus dem Jahr 1948 zeichnen das Schicksal eines Menschen nach, der in einer Erziehungsanstalt aufwuchs und sich als Maler Stück für Stück nach oben arbeitete. Damit besitzt die UB einen reichhaltigen Quellenbestand, der Einblick in Alltag, Arbeit und Umfeld einer Basler Handwerkerfamilie vom späten 19. bis ins 20. Jahrhundert bietet.

«Yellow Kid» aus der Comic-Privatsammlung Rudolf.
Mit der Übernahme der Comicsammlung von Gérald Rudolf aus Brislach erhält die UB einen in der Deutschschweiz einzigartigen Bestand. Die Sammlung umfasst über 5000 Alben sowie 15 000 bis 20 000 Comiczeitschriften und Magazine – von Astérix über Flash Gordon bis zu Zoulou. Sie vereint Bandes Dessinées und US-amerikanische Comics, darunter zahlreiche Erstausgaben und wertvolle ältere Periodika. Der sorgfältig erschlossene und sehr gut erhaltene Bestand macht Comics als Medium zwischen Text und Bild in ihrer historischen und ästhetischen Entwicklung nachvollziehbar und eröffnet vielfältige Forschungsansätze in Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaft. In Basel trägt zudem das Cartoonmuseum mit Ausstellungen bedeutender Comiczeichnerinnen und -zeichner zur Sichtbarkeit der Kunstform bei. Seit 2015 baut die UB Basel gezielt einen Comicbestand auf und gewinnt mit diesem Sammlungszuwachs an überregionaler Bedeutung.