Auf Basis eines SNF-Forschungsprojekts hat die Anglistik-Professorin Ina Habermann gemeinsam mit ihrem Team eine Ausstellung kuratiert, die vom 13. Februar bis zum 20. Mai 2026 in der UB präsentiert wurde. London Calling spürte dem schweizerisch-britischen Kulturaustausch in der frühen Neuzeit nach. Es reisten Menschen, es reisten aber auch Ideen, Bücher und Briefe. Dabei zeigte sich, wie gut sich Ausstellungen zur Vermittlung universitärer Forschung an eine breite Öffentlichkeit eignen.
Die alte Eidgenossenschaft war schon in der frühen Neuzeit vielfältig vernetzt in Europa und darüber hinaus. Eher wenig bekannt sind die kulturellen Beziehungen der alten Schweiz mit England, denen «London Calling» gewidmet ist. Zum einen kommen die konkreten Bedingungen und Herausforderungen einer Reise in der frühen Neuzeit zur Sprache. Zum anderen die Tatsache, dass Reisende ihre Heimat mitnehmen, die Kontakte behalten beziehungsweise spielen lassen, andere Personen nachziehen, zahlreiche Begegnungen erleben, etwas mitbringen und – oft verändert – zurückkehren.
Zu sehen sind Briefe, Karten, Porträts, Übersetzungen viel gelesener religiöser Texte aus England und literarische Werke, wie eine von Johann Jacob Frey (1606 –1636) nach Basel gebrachte Ausgabe von Shakespeares Dramen. Interaktive Stadtpläne von London, erarbeitet auf der Basis von Schweizer Reiseberichten, erwecken die Stadt zum Leben. Das Publikum bekommt anhand der reichen Bestände der UB Basel einen spannenden Einblick in die Themen und Formen des interkulturellen Austauschs am Beginn der Neuzeit.

Aquarell, angefertigt von P. Toussaint, 1839. Universitätsbibliothek, Portr BS Frey JJ 1606, 1
Johann Jacob Frey (1606 –1636) starb in Basel an der Pest, bevor er eine ersehnte Kirchenstelle in Irland antreten und Dekan in Armagh werden konnte. Hochbegabt und früh gefördert, studierte er in Oxford, wurde in London ordiniert und nach Basel berufen. Als Griechischprofessor fühlte er sich jedoch «bound to Basel against my will».

Thomas Gainsborough, Road from Market (1767–1768). Wikimedia Commons.
Schriftzeugnisse von Engländerinnen und Schweizerinnen, die am anglo-schweizerischen Austausch der frühen Neuzeit teilnahmen, sind selten. Während die Gesellschaft mobil war, waren es vor allem gelehrte Männer, die ihre Reisen schriftlich bezeugten. Händler, Bedienstete und Frauen hingegen schrieben kaum über ihre Mobilität. In der zweiten Hälfte des 18. Jhs. veränderte sich dies markant. Mit der wachsenden Popularität des Reisens und gesellschaftlichen Veränderungen eröffneten sich für Frauen neue Möglichkeiten, sodass sie zunehmend auch Reiseberichte verfassten. Schriftstellerinnen wie Helen Maria Williams (1759 –1827) nutzten das Genre nicht nur zur Beschreibung ihrer Eindrücke, sondern auch, um politische Standpunkte zu vertreten.

Andreas Ryff, Titelblatt des Reiss Biechlin (1600). Universitätsbibliothek, A lambda II 44a.
Im Zentrum des transkulturellen Austauschs zwischen Grossbritannien und der Schweiz steht das Reisen sowohl von Personen als auch von Objekten wie Briefen und Büchern. Die Gesellschaft der frühen Neuzeit
war insgesamt äusserst mobil, und das Reisen, wenn auch oft beschwerlich, war fester Bestandteil auch des akademischen Lebens.

Das Frey-Grynaeische Institut wurde 1747 vom Enkel des anglophilen Sammlers Johann Jacob Frey gegründet. Johann Ludwig Frey (1682–1759) wollte mit dem Institut nicht nur das Studium der Theologie und der Philosophie fördern, sondern auch an seinen verstorbenen Freund Johannes Grynaeus erinnern. Den Grundstock der englischen Bestände der Bibliothek bilden die Bücher, die Johann Jacob Frey aus England mitgebracht hatte.
Frey-Grynaeisches Institut. Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt, Foto Erik Schmidt, 2011

Thomas Platter, Beschreibung der Reisen durch Frankreich, Spanien, England und die Niederlande (1604 –1605). Universitätsbibliothek, A lambda V 7/8.
Der beinahe 2000 Seiten umfassende Bericht von Thomas Platter (1574–1628) ist an dessen Halbbruder Felix Platter (1536–1614) gerichtet, der die Unternehmung finanziert hatte.
Die Ausstellung wurde von Ina Habermann, Stefanie Heeg, Regula Hohl Trillini und Philippe Bernhard Schmid (alle Universität Basel) kuratiert. Die Szenografie stammt von Stauffenegger + Partner in Basel.