Medienmitteilung, 17. Oktober 2023

Die Israelitische Gemeinde Basel übergibt jüdisches Kulturerbe als Depositum an die Universitätsbibliothek Basel


Die jüdische Gemeinde in Basel ist Eigentümerin einer Sammlung von Raritäten hebräischer und rabbinischer Literatur sowie frühneuzeitlicher und alter Drucke mit Unikatcharakter, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Die Gemeindebibliothek mit ihrer Sammlung ist eine der wenigen jüdischen Bibliotheken in Europa, die den Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene systematische Zerstörung jüdischer Bücher und Bibliotheken unangetastet überstanden hat. Für die sichere klimatische Aufbewahrung wird nun die Sammlung als langfristiges Depositum der Universitätsbibliothek Basel (UB) übergeben.

Die um 1805 gegründete Israelitische Gemeinde Basel (IGB) ist eine der grössten jüdischen Gemeinden der Schweiz und in Basel vielen bekannt durch den auffälligen Kuppelbau der Synagoge an der Leimenstrasse/Eulerstrasse. In ihrer Bibliothek befindet sich ein grösserer Bestand von ältesten Talmuddrucken (ab dem 16. Jahrhundert) und weiteren Raritäten hebräischer und rabbinischer Literatur. Die Sammlung ist von besonderem Wert, da sie die Geschichte der Gemeinde und der Region widerspiegelt. Zudem ist die Gemeindebibliothek eine der wenigen jüdischen Bibliotheken in Kontinentaleuropa, die den Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene systematische Zerstörung jüdischer Bücher und Bibliotheken unangetastet überstanden hat.

Aufgrund nicht geeigneter klimatischer Bedingungen in den Gemeinderäumlichkeiten werden nun die vor 1950 erschienenen Bücher und Zeitschriften als langfristiges Depositum der Universitätsbibliothek Basel (UB) übergeben. Die IGB bleibt Eigentümerin der Sammlung. Die Sammlung ergänzt in willkommener Weise den historischen Hebraica-Bestand der UB. Dieser umfasst rund 3'500 Titel, darunter die Basler hebräischen Drucke des 16. / 17. Jahrhunderts und die 1705 angekaufte Bibliothek der Gelehrtendynastie Buxtorf.

Sicherung und Erschliessung wertvollen Kulturerbes
In einem grossangelegten Projekt sollen bis Ende 2025 4'600 Bücher und 250 Zeitschriftentitel erschlossen werden. Die damit verbundenen Arbeiten übernimmt die Universitätsbibliothek Basel im Auftragsverhältnis. Die Finanzierung erfolgt durch zahlreiche Stiftungen, darunter Rothschild Foundation Hanadiv Europe, Christoph Merian Stiftung, Ernst Göhner Stiftung und Swisslos-Fonds Basel-Stadt. Nach der Erschliessung können die physischen Exemplare bestellt und im Sonderlesesaal eingesehen werden. Als Teil des Projekts soll eine repräsentative Auswahl von 200 historischen Objekten digitalisiert und der Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht werden.

Die einzelnen Buchexemplare werden mit all ihren Besonderheiten nach internationalen Erschliessungsstandards katalogisiert. Die UB und die IGB Gemeindebibliothek sind beide Mitglieder von Swisscovery, dem Zusammenschluss von rund 490 wissenschaftlichen Bibliotheken in der Schweiz. Die Sammlung wird zudem in Swisscollections ausgewiesen, dem Online-Portal für Sondersammlungen. Damit ist der historische Bestand der IGB ortsunabhängig recherchierbar und weltweit für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich.

Israelitische Gemeinde Basel

Die vor über 200 Jahren gegründete Israelitische Gemeinde Basel mit ihren knapp 900 Mitgliedern ist eine der grössten jüdischen Gemeinden der Schweiz. Die IGB ist eine öffentlich-rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaft und eine Einheitsgemeinde, die ihren Mitgliedern vielfältige Dienstleistungen, ein breites kulturelles Angebot und eine gut ausgebaute Infrastruktur bietet.

Universitätsbibliothek Basel

Die UB Basel mit ihren fünf Standorten ist eines der wichtigsten öffentlichen Informationszentren der Region. Mit einem Bestand von rund 7,5 Millionen gedruckten und elektronischen Medien sowie einer halben Million Besucher*innen jährlich gehört sie zu den grossen wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz. Als Gedächtnisinstitution bewahrt sie sorgfältig ihren bedeutenden, bis ins 8. Jahrhundert zurückreichenden historischen Bestand und macht diesen dank einem umfassenden Digitalisierungsprogramm zunehmend online zugänglich. In ihrer Rolle als Vermittlerin zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bietet sie verschiedenen Anspruchsgruppen einen vielseitigen Lern- und Begegnungsraum.

Kontakt und Information

Isabel Schlerkmann
Geschäftsführerin
Israelitische Gemeinde Basel
isabel.schlerkmann@clutterigb.ch
T 061 279 98 50

Dr. Ueli Dill
Bereichsleiter Historische Sammlungen
Universitätsbibliothek Basel
ueli.dill@clutterunibas.ch
T 061 207 31 33

Bildmaterial

Mahzor Gebetbuch

Mahzor mit Texten und Gebeten aus dem Tanach, (1670). Signatur UBH ISR H 709 Foto: Universitätsbibliothek Basel

Babylonischer Talmud

Teilausgabe des Babylonischen Talmuds, gedruckt in Sulzbach (1755-1764) aus der Offizin Fränkel/Arnstein. Es handelt sich um das Traktat Sanhedrin (Gerichtshof) aus der Ordnung Nesiqin (Schädigungen). Signatur: UBH ISR H 3279 Foto: Universitätsbibliothek Basel

IGB Mischband

Der Band enthält die Abschrift und den Druck des Kommentars zur Thora von Recanati (Menachem ben Binyamin Recanati, 1250-1310) einem italienischen Kabbalisten. Das Werk blieb aufgrund des Todes des Autors unvollendet, wie dem Text zu entnehmen ist. Foto: Universitätsbibliothek Basel