Die alte Eidgenossenschaft war schon in der frühen Neuzeit vielfältig vernetzt in Europa und darüber hinaus. Eher wenig bekannt sind die kulturellen Beziehungen der alten Schweiz mit England, denen diese Ausstellung nachgeht. Zentrales Motiv ist die Reise, im Sinne der Mobilität und Migration von Personen, aber auch von Briefen, Büchern und Gedanken. Anhand von aussergewöhnlichen Dokumenten der Universitätsbibliothek Basel gibt die Ausstellung Einblick in die Themen und Formen interkulturellen Austauschs in der frühen Neuzeit.
Die Ausstellung zeigt zum einen die konkreten Bedingungen und Herausforderungen einer Reise in jener Zeit. Zum anderen veranschaulicht sie die Tatsache, dass Reisende ihre Heimat mitnehmen, Beziehungen behalten und spielen lassen, andere Personen nachziehen, sich in der neuen Heimat mit neuen Kontakten vernetzen, oder – oft verändert – zurückkehren. In diesem Kontext bedeutet «London Calling» einerseits, dass Engländer in Basel zu Besuch kommen, und umgekehrt, dass Schweizer Geistliche und Gelehrte dem Ruf der grossen Stadt London folgen, einem Zentrum von Wissenschaft und Kultur mit grosser Ausstrahlung. Basel und London bilden die beiden Pole der Ausstellung, zwischen denen die Reisenden und Objekte sich bewegen.
Interaktive Stadtpläne von London, erarbeitet auf der Basis von drei Schweizer Reiseberichten, unter anderem vom Basler Arzt Thomas Platter (1574–1628), erwecken die Stadt in drei verschiedenen Jahrhunderten zum Leben. Besucher*innen begegnen darüber hinaus Persönlichkeiten wie dem Geistlichen Gilbert Burnet (1643–1715) und dem Diplomaten Luke Schaub (1690–1758). Zu sehen sind Briefe, Karten, Porträts, Übersetzungen vielgelesener religiöser Texte aus England und literarische Werke, wie eine Ausgabe von William Shakespeares Dramen, die der anglophile Theologe Johann Jacob Frey (1606–1636) nach Basel brachte. «Mit dieser Ausstellung wollen wir eine breitere Öffentlichkeit an unseren Forschungsergebnissen teilhaben lassen», so die Projektleiterin Ina Habermann. «Mir ist es dabei ein persönliches Anliegen – gerade nach dem Brexit – zu zeigen, wie vielfältig die Beziehungen zwischen Grossbritannien und dem Kontinent schon immer waren. Auch auf der Insel lebt man nicht im luftleeren Raum. Und was war es genau, das die Schweizer nach England gelockt hat? Einige Antworten haben wir anzubieten.»
Den Ausgangspunkt für die Ausstellung bildet das Forschungsprojekt «SwissBritNet: Swiss-British Cultural Exchange and Knowledge Networks, 1600–1780» (2023–2027), das vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert wird (https://swissbritnet.ch/). Kuratiert wurde sie von Ina Habermann, Stefanie Heeg, Regula Hohl Trillini und Philippe Bernhard Schmid (alle Universität Basel); die Szenografie stammt von Stauffenegger + Partner, Basel. Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel, der Max Geldner Stiftung, des James Fenimore Cooper-Stipendienfonds, der Max Geilinger-Stiftung, der Stiftung Wolf und der UBS Kulturstiftung.
Donnerstag, 12. Februar, 14 Uhr
Um Anmeldung wird gebeten: pr-ub@clutterunibas.ch
Nathalie Baumann
Universitätsbibliothek Basel
Verantwortliche Öffentlichkeitarbeit
nathalie.baumann@clutterunibas.ch
061 207 62 89
Ina Habermann
Universität Basel, Professorin für englische Literatur- und Kulturwissenschaft
Co-Kuratorin der Ausstellung
ina.habermann@unibas.ch
076 257 36 49
13. Februar bis 20. Mai 2026
UB Hauptbibliothek, Ausstellungsraum 1. OG
Montag bis Freitag 8.00 bis 19.30 Uhr
Samstag 10.00 - 19.30.00 Uhr
Eintritt frei

Andreas Ryff, Titelblatt des Reiss Biechlin (1600). Der Bericht illustriert frühneuzeitliches Reisen und die verschiedenen Fortbewegungsmöglichkeiten: zu Fuss, zu Pferd, in der Kutsche und per Schiff. UB: A lambda II 44a.

Matthäus Merian, Ein sehr anmuhtiger Prospect des Münsters und Rheinbrucken zu Basel (Frankfurt, 1642). Zürich, ZB: STF XVI, 17. Radierung. Gemeinfrei.

Claes Van Visscher, A Panorama of London (1616). Washington D.C., Library of Congress, LC-USZ62-51188. Wikimedia Commons. Gemeinfrei.

Johann Melchior Füssli, Porträt von Johann Jakob Scheuchzer (1707). Zürich, ZB: Scheuchzer, Joh. Jak. I, 14. Radierung von J. Nutting nach einer Zeichnung von J. M. Füssli. Frontispiz zu Scheuchzers Ouresiphoites Helveticus (1708). Reproduktion. Mit freundlicher Genehmigung, Zentralbibliothek Zürich.