
Das Tintenfrassprojekt hat das Ziel, den durch die Verwendung unausgewogener Eisengallustinten verursachten und fortschreitenden Papierabbau von Handschriften zu stoppen bzw. extrem zu verlangsamen. Dazu werden beschädigte Blätter stabilisiert bzw. restauratorisch behandelt und es werden präventive Massnahmen ergriffen, um das einzigartige schriftliche Erbe der Universitätsbibliothek Basel zu bewahren.

Durch Tintenfrass entstehen kleinere und grössere Risse im Schriftbereich, welche bis zum Ausbrechen von Schriftelementen führen können.
Diese Tinte wird aus verschiedenen natürlichen Stoffen hergestellt, darunter Eisenvitriol, Galläpfel und Gummi Arabicum. Eisenvitriol ist ein Salz der Schwefelsäure und wurde lange Zeit in speziellen Vitriolhütten abgebaut und weiterverarbeitet. Galläpfel entstehen als Wucherungen an der Unterseite von Eichenblättern, während Gummi Arabicum aus dem getrockneten Saft bestimmter Akazienarten gewonnen wird. War das Mischverhältnis der Bestandteile bei der Herstellung nicht korrekt, im Besonderen ein Überschuss an Eisenvitriol vorhanden, greift die Eisengallustinte im Lauf der Zeit die Zellulose des Papiers an – ein chemischer Prozess, der zu den typischen Tintenfrass-Schäden führt. Dabei werden sowohl das Papier als auch die Schrift zersetzt. Diese Zersetzung wird durch Luftfeuchtigkeit und Bewegung zusätzlich beschleunigt.
Auch die wertvollen und einzigartigen Handschriften sowie Archivalien der Universitätsbibliothek Basel sind aufgrund ihres Alters vom Tintenfrass betroffen – und damit gefährdet.
Zur restauratorischen Behandlung tintenfrassgeschädigter Einzelblätter wird ein spezielles Verfahren angewendet: Bei der Calciumphytat-Calciumhydrogencarbonat-Behandlung (CaPhy-Behandlung) werden die betroffenen Blätter in vier Behandlungsbädern zunächst gereinigt, freie Metallionen mit Calciumphytat komplexiert, Säure im Papier neutralisiert sowie das Papier nachgeleimt. Eine mechanische Stabilisierung mit Japanpapier bzw. Nanocellulose festigt die Papierstruktur.
Projektdauer: 2023-2026
Partnerinstitutionen: Abteilung Bibliotheks-, Archiv- und Museumspflege des Bürgerspitals Basel
Drittmittel: Kantonale Staatsbeiträge
Vorgängerprojekte: Entwicklungsprojekt 2020-2022
Folgeprojekt:beantragt
Im Jahr 2019 initiierte die Universitätsbibliothek Basel mit Sondermitteln der Universität ein Pilotprojekt zur Untersuchung der durch Tintenfrass geschädigten Handschriften und Archivalien aus ihren Beständen. Im Rahmen dieses Projekts wurden diese Bestände systematisch auf Tintenfrass untersucht und eine statistische Erhebung durchgeführt, um das Ausmass der gefährdeten Materialien zu erfassen und hochzurechnen. Gleichzeitig wurde an der UB Basel Fachwissen aufgebaut, wie sich Tintenfrass wirksam bekämpfen lässt und welche validierten restauratorischen Methoden dafür zur Verfügung stehen. In einer Projektwerkstatt wurde die sogenannte Calciumphytat-Calciumhydrogencarbonat-Behandlung (CaPhy-Behandlung) zur restauratorischen Nassbehandlung tintenfrassgeschädigter Einzelblätter erstmals angewandt.
Im Umsetzungsprojekt startete die operative Durchführung: Gefährdete Blätter wurden seither systematisch begutachtet, in verschiedene Schadenskategorien eingeteilt und unterschiedlichen Behandlungsprozessen zugewiesen. Mit den Prozessen der «Präventiven Konservierung», der «Einzelblattbehandlung» sowie der mit dem Bürgerspital Basel zusammen durchgeführten «Manufakturbehandlung» stehen differenzierte Abläufe und Behandlungen zur Verfügung, um Objekte angepasst an den Schweregrad des Schadensbilds zu bearbeiten. In den restauratorischen Prozessen der «Einzelblattbehandlung» im Ink Lab der UB Basel sowie der «Manufakturbehandlung» für grössere Mengen am Bürgerspital Basel wird die CaPhy-Behandlung umgesetzt.
Umfangreiche Bestände konnten im Rahmen des Projekts bereits gesichtet werden, erste Bestände konnten behandelt, digitalisiert und langfristig erhalten werden. Die bestehenden Verfahren werden kontinuierlich auf Effizienz und Standardisierung geprüft und weiterentwickelt. Für das Projekt wurden zahlreiche Fachkräfte für die Konservierung-Restaurierung sowie der Digitalisierung und Metadatenanreicherung eingestellt. Begleitend dazu gab es bauliche Anpassungen.
Die Universitätsbibliothek Basel hat sich mit diesem Projekt als Kompetenzzentrum für den konservatorischen Umgang mit Tintenfrassschäden im deutschsprachigen Raum etabliert. Die in Basel angewandten Verfahren und auch Weiterentwicklungen werden in der Fachwelt wahrgenommen und rezipiert und fliessen in internationale Netzwerke ein.
Ziel des Projekts ist die vollständige Erfassung und Bearbeitung des handgeschriebenen Bestands, weshalb mehrere Projektphasen mit kontinuierlicher Förderung des Kantons Basel-Stadt angestrebt werden.