
Skizze von Pottwalen mit anthro pomorphen Zügen von Lucius Burckhardt.
Lucius Burckhardt (1925–2003), Soziologe und Vordenker der Spaziergangswissenschaft, nutzte Aquarelle, um sichtbar zu machen, was sich rationaler Erklärung entzieht. Wahrnehmung, so seine Überzeugung, ist nie neutral, sondern stets geprägt von Erziehung, kulturellen Codes und Konventionen. Seine Skizzen legen diese Prägungen offen, irritieren, schaffen Distanz und eröffnen neue Perspektiven. Deutlich wird diese in der Verwandlung des Menschen in ein Tier: Der Mensch ist nicht mehr das Mass aller Dinge, sondern Teil einer grösseren Umwelt, die sich wiederum wandelt. Solche Bilder sind keine harmlosen Illustrationen, sondern stellen die Frage, wie wir sehen, was wir dabei übersehen – und ob ein Blick überhaupt je unschuldig sein kann.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, NL 351: P:664.

Ein spätantiker Papyrus mit medizinischem Inhalt, 5./6. Jahrhundert.
Seit Jahrhunderten birgt Basel ein faszinierendes Geheimnis: Ein rätselhafter Papyrus, beidseitig in Spiegelschrift beschrieben, hat selbst die klügsten Köpfe jahrhundertelang staunen lassen. Erst die moderne Technik machte sichtbar, was mit blossem Auge verborgen blieb – unter ultraviolettem und infrarotem Licht entpuppte sich das mysteriöse Dokument als Stapel sorgfältig verklebter Papyrusschichten. 2018 konnte auf diese Weise eingriechischer Text entschlüsselt werden, der vermutlich aus der Feder des legendären rö mi schen Arztes Galen (um 129–199 n. Chr.) stammt. Es handelt sich um eine medizinische Schrift aus der Spätantike, die das Phänomen des «hysterischen Atemstillstands» beschreibt.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, P.Bas. 1A.

Das Freihandmagazin der Universitätsbibliothek Basel.
Das Freihandmagazin der Universitätsbibliothek Basel ist ein Bereich, in dem zahl reiche Medien frei zugänglich sind und direkt von den Nutzer*innen entnommen werden können. Es erstreckt sich über mehrere Stockwerke des Hauptgebäudes und bietet mit seinen vielfältigen Nischenarbeitsplätzen eine angenehme Lern- und Arbeitsumgebung. Damit ergänzt es die geschlossenen Magazine, in denen die nicht frei zugänglichen Bestände aufbewahrt werden.
© Foto: Universität Basel, Mark Niedermann, 2021.

Maria Sibylla Merian, «Metamorphosis insectorum Surinamensium ofte Verandering der Surinaamsche Insecten», Amsterdam 1705.
Maria Sibylla Merian (1647–1717) war eine der bedeutendsten Naturforscherinnen und Künstlerinnen des 17. Jahrhunderts. Schon als Jugendliche begann sie, Insekten zu züchten und deren Entwicklung zu dokumentieren. Ihre präzisen Zeichnungen und Beobachtungen trugen massgeblich zur Insektenkunde bei. Besonders hervorzuheben ist ihr Werk «Metamorphosis insectorum Surinamensium» (1705), in dem sie die Lebenszyklen tropischer Insekten in Suriname detailliert darstellt. Dieses Werk gilt als Meisterleistung der wissenschaftlichen Illustration und beeinfl usste die Entomologie nachhaltig.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, AN I 14, Tafel 45.

Brief von Friedrich Nietzsche (1844–1900) an Franz Overbeck (1837–1905), Anfang 1879.
Friedrich Nietzsche (1844–1900) war von 1869 bis 1879 Professor für klassische Philologie an der Universität Basel. Schon früh litt er unter schweren gesundheitlichen Problemen, besonders an unerträglichen Kopfschmerzen, die ihn zur Aufgabe seiner Professur zwangen. In einem Brief an seinen Freund Franz Overbeck (1837–1905) klagte er verzweifelt: «Seit gestern Abend ein fortgesetzter wüthender Schmerz. Was soll werden! Kein Colleg. FN.» Als Nietzsche 1889 in Turin geistig zusammenbrach, war es wiederum Overbeck, der treu an seiner Seite stand und ihn nach Basel zurück holte.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, NL 53 : B III 1, 27.

Ulrich Boner, «Der Edelstein», Bodenseegebiet, um 1410–1420.
Der «Basler Edelstein» ist eine der frühesten erhaltenen Handschriften des Textes, den der Dominikaner Ulrich Boner (1280–1350) nach dem griechischen Dichter Äsop (geb. um600 vor Chr., vermutlich gest. 564/563 v. Chr.) verfasst hat. Der reich illustrierte Band bietet Einblicke in die Welt der sprechenden Tiere, der törichten und klugen Menschen sowie in das bisweilen ferne, teils überraschend aktuelle Denken des Mittelalters. Das Bild illustriert dieFabel von Wolf, Schaf und Hirsch. Der Wolf tritt als Richter auf, während der Hirsch das Schaf grundlos verklagt. Aus seiner Kapuze ragen zwei Gänse. Ob die Miniatur tatsächlich den Wolf oder vielmehr den Gänsedieb aus anderen Fabeln, den Fuchs, darstellt, lässt sich anhand von Fellfarbe und buschigem Schwanz nicht eindeutig entscheiden.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, AN III 17, fol. 3 verso.

Porträt von Sebastian Castellio (1515–1563).
Sebastian Castellio (1515–1563) war ein aus Savoyen stammender Humanist, Theologe und Verfechter der Glaubens freiheit. Nach einem Zerwürfnis mit Johannes Calvin (1509–1564) übersiedelte er 1545 nach Basel, wo er als Professor für Griechisch wirkte. Castellio ist bekannt für seine frühen Schriften gegen die Verfolgung von Ketzern und seine Forderung nach religiöser Toleranz. Eine seiner Kernaussagen lautet, dass Gewalt gegen Menschen nicht als Schutz einer Lehre oder Wahrheit ausgegeben werden darf: «Einen Menschen töten heisst nicht, eine Lehre verteidigen, sondern: einen Menschen töten.»
Universitätsbibliothek Basel, Portr FR Castellio S 1515, 1.

Erasmus von Rotterdam, «Novum Instrumentum», Basel 1516.
Das «Novum Instrumentum» von Erasmus von Rotterdam (um 1466–1536) erschien 1516 als erste kritisch edierte griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments. Mit Vorreden, Anmerkungen und elegantem Sprachstil stellte es dieAutorität der lateinischen Vulgata infrage und sorgte schon vor Erscheinen für Aufsehen. Durch den Buchdruck verbreitete es sich rasch, beeinflusste Reformation und Volksbibeln und begründete die moderne Bibelwissenschaft im Geist des Humanismus.
Universitätsbibliothek Basel, FG V 38, «Evangelium secundum Matthaeum», fol. 1.

Alter Lesesaal der Universitätsbibliothek Basel um das Jahr 1950.
Der Lesesaal der Universitätsbibliothek im LaRoche-Bau von 1896 verkörpert das Idealbild einer Bibliothek des 19. Jahrhunderts: ein repräsentativer Raum, in dem Wissen geordnet, monumental und beinahe sakral erscheint. Seine kunstvollen Stuckaturen greifen Formen der Pfl anzenwelt des benachbarten Botanischen Gartens auf und lassen Natur und Wissenschaft, Wachstum und geistige Ordnung zu einer harmonischen Einheit verschmelzen. Im Vergleich dazu steht der Neubau von Otto Senn aus dem Jahr 1968: Sein Lesesaal symbolisiert Offenheit, Funktionalität und gesellschaftliche Zugänglichkeit.
Foto: Universitätsbibliothek Basel, Fotograf*in unbekannt.

Werbung für Eptinger Mineralwasser, entworfen vom Grafiker Herbert Leupin 1949.
Herbert Leupin (1916–1999) war ein Schweizer Grafi ker, der Werbegeschichte schrieb. Ob die lila Milka-Kuh, Plakate für Zirkus Knie, der Pepita-Papagei oder die bekannte Eptinger-Giraffe: Seine Figuren prägten das kollektive Gedächtnis und machten Alltagsprodukte zu Ikonen. Leupin verwandelte Werbung in Kunst. Noch immer sind seine Plakate international präsent – einzig artig im Stil und sofort erkennbar.
Signatur: Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Dokumentensammlung zuJ.C. Müller AG., Lithographische Anstalt – Zürich, H+I Bk 167. Eptinger ®.

Kolorierte Stadtansicht von Basel. Fragment aus der «Schedelschen Weltchronik», 1493.
Dieser detailreiche Holzschnitt mit dem Titel «Basilea» stammt aus derWelt chronik von Hartmann Schedel (1440–1514), die 1493 in Nürnberg bei Anton Koberger (1440–1513) gedruckt wurde. Das Werk gilt als eines der bekanntesten und aufwendigsten Erzeugnisse der frühen Buchdruck kunst, reich ausgestattet mit hunderten von Holzschnitten, die bedeutende Städte sowie Szenen aus der Bibel- und Welt geschichte zeigen. Die Abbildung ist weniger ein topographisch exakter Stadtplan als vielmehr eine symbolhafte, künstlerisch über höhte Darstellung. Besonders hervorstechend sind das Basler Münster mit seinem roten Dach sowie die befestigten Rheinmauern im unteren Bildbreich.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, AN XVI 4.

Cristoforo Colombo, «Epistola de insulis nuper inventis», Basel 1493.
Am 15. Februar 1493 verfasste Kolumbus seinen berühmten Rechenschaftsbericht an den Schatzmeister des spanischen Königs paares, in dem er die «indischen» Inseln als paradiesisches Land mit reicher Natur, Goldvorkommen und freundlichen Bewohnern schilderte. Dieser sogenannte «Columbusbrief» erschien bereits im April desselben Jahres in Barcelona in spanischer Sprache im Druck und wurde anschliessend in zahlreiche lateinische Übersetzungen übertragen. Zwischen 1493 und 1495 verbreitete sich der Text rasch durch Ausgaben in Rom, Paris, Antwerpen und Basel. Besonders der «Basler Columbusbrief» von 1493 ist von Bedeutung: Er enthielt erstmals Holzschnitte als Illustration und damit die frühesten gedruckten Darstellungen der Neuen Welt.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, AN V 57, 4 recto.

Porträt der Emilie Louise Frey (1869–1937).
Emilie Louise Frey (1869–1937) wuchs in Basel und Zürich auf und war die erste Frau, die trotz sittlicher Vorbehalte seitens der Professorenschaft an der Universität Basel studierte. 1895 promovierte sie erfolgreich an der Medizinischen Fakultät. Die «Jumpfere Dokter » eröffnete noch im selben Jahr ihre Praxis an der St. Alban-Vorstadt und betreute Patientinnen aus Basel, dem Baselbiet, dem Badischen und dem Elsass – besonders auch Frauen aus unteren Gesellschaftsschichten.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, Portr BS Frey EL 1869.

Rudolf Stuckert (1909–1985) mit afghanischem Windhund in Kabul.
1940 nimmt Albert E. Engler (1911–1990) in Afghanistan dieses Foto von Rudolf Stuckert (1909–1985) auf: Mit einem afghanischen Windhund steht er vor der Tür ihres Hauses in Kabul, hinter ihm ist ein hand gemalter Baselstab sowie mit Kreide geschrieben das Wort «Engler» zu sehen. Das Bild aus der Sammlung «Bibliotheca Afghanica» der Uni versitätsbibliothek Basel veranschaulicht die Vernetzung Schweizer Architekt*innen und Fotograf*innen in einem damals isolierten Afghanistan. Die Nachlässe von Albert E. Engler, Rudolf Stuckert und Alf de Spindler (1907–2000) sind weltweit einzigartige Quellen für Architekturgeschichte, Stadt- und Landesentwicklung sowie Sozial wissen schaften. Ursprünglich doku mentierte die «Bibliotheca Afgha nica» Natur, Kultur und Geschichte Afghanistans; später kamen Materialien zu Krieg, Besetzung und Widerstand hinzu. 2023 wurde die Sammlung der Universitätsbibliothek Basel vermacht.
Universitätsbibliothek Basel, Archiv Afgh 4 : A : I.

Andreas Vesalius, «De humani corporis fabrica libri septem», Basel 1543.
Andreas Vesalius (1514–1564) veröffentlichte sein bahnbrechendes Werk «De humani corporis fabrica» 1543 beim Basler Buchdrucker Johannes Oporinus (1507–1568). Die über 200 detaillierten Holzschnitte zur menschlichen Anatomie liess Vesalius in Venedig anfertigen. In Briefen an Oporinus ist dokumentiert, wie die fertigen Druckstöcke über die Alpen nach Basel transportiert wurden – ein aufwändiges Unterfangen, das die Bedeutung des Projekts unterstreicht. Warum wählte Vesalius Basel als Druckort? Die Stadt war ein Zentrum der Druckkunst und des Humanismus. Oporinus galt als einer der führenden Drucker seiner Zeit. Vesalius wollte sicherstellen, dass sein Werk in höchster Qualität erscheinen konnte, um die wissenschaftliche Bedeutung und die künstlerische Gestaltung zu bewahren.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, AN I 15, fol. 164.
Der grosse Lesesaal der Universitätsbibliothek Basel im Jahr 2017.
Der grosse Lesesaal der Universitätsbibliothek Basel wurde vom Architekten Otto Senn (1902–1993) in den Jahren 1962 bis 1968 entworfen. Er beeindruckt durch seine monumentale Betonschale, die vom Ingenieur Heinz Hossdorf (1925–2006) konstruiert wurde. Der als Halle konzipierte Lesesaal greift ein beliebtes Element der Bibliotheksarchitektur auf. Zugleich ist die Formsprache dem damals vorherrschenden Funktionalismus verschrieben, der Dekoration zugunsten von Technik und Zweckmässigkeit bewusst zurückstellte. Grosse Fensterfl ächen und die umlaufende Galerie schaffen helle, offene Lernräume und eine optische Verbindung zum Botanischen Garten. Der grosse Lesesaal gilt als ein architektonisches Glanzstück der Universität Basel.
© Foto: Universität Basel, Mark Niedermann.

Porträt von Elsa Mahler (1882–1970).
Elsa Mahler (1882–1970) war die erste Professorin an der Universität Basel und eine Pionierin der Sla vistik und Volkskunde in der Schweiz. Geboren in Moskau, wuchs sie in Russland auf und studierte dort sowie in Berlin und München, bevor sie 1920 in die Schweiz zog. An der Universität Basel promovierte sie in Archäologie und richtete später das Slavische Seminar ein, in dem sie Russisch auf allen Niveaus unterrichtete. Sie sammelte umfangreich russische Volkslieder und trug so wesentlich zur Erforschung und Bewahrung der slavischen Kultur bei. Bis ins hohe Alter blieb sie aktiv in Lehre und Forschung.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, Portr BS Mahler E 1882, 1.

Jacob Burckhardt (1818–1897) vor dem Basler Münster, 1878.
Das Foto von Jacob Burckhardt (1818–1897) vor dem Basler Münster, aufgenommen um 1890/92 von Fritz Burckhardt-Brenner, zeigt den Kulturhistoriker mit einer Mappe unter dem Arm, die vermutlich Fotografi en enthielt. Diese nutzte Burckhardt während seiner Vorlesungen, um seinen Studierenden visuelle Anschauungsmaterialien zu bieten. Burckhardts umfangreiche Sammlung von rund 10 000 Fotografien befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Basel. Diese Sammlung, die sowohl Originalfotos als auch Reproduktionen umfasst, war ein zentrales Hilfsmittel für seine kunsthistorischen Forschungen und Vorlesungen. Sie ist digitalisiert und über die Universitätsbibliothek Basel zugänglich.
Signatur: Universitätsbibliothek Basel, Portr BS Burckhardt J 1818, 32.

Rektoratsmatrikel der Universität Basel, Band 1, Basel 1460–1567.
Die sogenannten Basler Rektoratsmatrikel, handschriftlich von 1460 bis 2000 geführt, enthalten semester bzw. jahrweise Angaben zu den jeweiligen Rektoren sowie Listen der eingeschriebenen Studierenden. Siesind damit eine zentrale Quelle zur Geschichte der Universität Basel. Im ersten Band zeigt eine Miniatur die Eröffnungsfeier im Basler Münster am 4. April 1460: In der Mitte sitzt Fürstbischof Johann von Venningen, zu seiner Rechten der Domprobst und erste Rektor Georg von Andlau. Auf der anderen Seite übergibt Altbürgermeister Hans vonFlachsland dem Fürstbischof die Stiftungsurkunde von Papst Pius II., mit der die Gründung der Hohen Schule offi ziell bestätigt wird.
Signatur: Universitäts bib lio thek Basel, AN II 3, fol. 3 verso.

«Solanum pomiferum fructo mollis» (Beleg einer Tomate) aus dem Herbarium von Caspar Bauhin (1560–1624).
Das Herbarium von Caspar Bauhin (1560–1624) an der Universität Basel zählt zu den bedeutendsten botanischen Sammlungen der Frühen Neuzeit. Ab 1577 sammelte Bauhin über 4000 Pfl anzenarten, darunter frühe Belege von Neuweltpflanzen wie der Tomate. Seine akribische Dokumentation trug erheblich zur Systematisierung der damals noch unübersichtlichen Pfl anzenbenennung bei. Die Tomaten-Belege sind ein anschauliches Beispiel dafür, wie Bauhin botanische Exemplare präzise erfasste und so das Verständnis dieser Pfl anze in Europa nachhaltig prägte. Sein systematischer Ansatz wird bis heute als Meilenstein der Botanik geschätzt. Carl von Linné (1707–1778), der als Begründer der modernen wissenschaftlichen Nomenklatur gilt, stützte sich stark auf Bauhins Werk und bezeichnete seine Veröffentlichungen als «unverzichtbar» und «ohnegleichen» («Opus erat hactenus sine pari. Opus est quo nullus carere potest»).
Herbarium der Universität Basel, Beleg BAS-B15-075-02.

Vierstimmiges Trinklied in scherzhafter Notenschrift, 1543.
Die berühmte Liedsammlung «Ein ausszug guter alter und newer Teutscher liedlein» (Nürnberg: Johannes Petreius 1539) vereint eine grosse Auswahl an mehrstimmigen deutschen Liedern und zeigt eindrucksvoll die Vielfalt der Musik zur Zeit der Renaissance. Es handelt sich bei dem Druck um für diese Zeit typische Stimmbücher. Die Exemplare in der Universitätsbibliothek Basel (F IX 59–62) sind durch handschriftlich notierte Lieder ergänzt. Zwischen heiteren Trinkliedern, zarten Liebesgesängen und ernsten Stücken eröffnet sich ein farbiges Panorama des 16. Jahrhunderts. Besonders ein heiteres vierstimmiges Trinklied in scherzhafter Notenschrift steht sinnbildlich für diese bunte Mischung von geselligem Singen in froher Runde. Der Schlüssel zur Transkription der Noten werte ist der Tenorstimme beigelegt.
Universitätsbibliothek Basel, F IX 60, fol. 1 recto.

Mary Vieira, «Polyvolume», entstanden 1967.
Die brasilianische Künstlerin Mary Vieira (1927–2001) gilt als Pionierin der kinetischen und konkreten Kunst. Mit ihren sogenannten «Polyvolume» erforschte sie das Zusammenspiel von Form, Raum und Bewegung. Diese skulpturalen Arbeiten bestehen aus klaren geometrischen Elementen, die von den Betrach tenden bewegt oder gedreht werden können – das Kunstwerk verändert sich dadurch und bleibt stets im Fluss. Ein eindrucksvolles «Polyvolume» steht im Foyer der Universitätsbibliothek Basel: Es lädt nicht nur zum Verweilen ein, sondern fordert die Passantinnen und Passanten auf, durch ihre Interaktion die Skulptur immer wieder neu zu gestalten. So wird das Werk zumoffenen Spiel zwischen Material, Bewegung und Wahrnehmung – lebendig und wandelbar im Dialog mit seinem Publikum.
© Foto: Universitätsbibliothek Basel, Johann Frick.