
Dieses Jahr blicken wir 555 Jahre in die Vergangenheit und 4 Jahre in die Zukunft: Die Anfänge der UB liegen über fünf Jahrhunderte zurück, die Strategie befasst sich mit den kommenden vier Jahren. Das fasst ganz gut das Dilemma einer wissenschaftlichen Bibliothek zusammen. Im Rückblick kann sich eine Kulturinstitution immer sehr gut verorten, die Entwicklungen dokumentieren und interpretieren. Blickt man aber in die Zukunft, so ist die Sicht weniger klarund der Horizont verdammt kurz. Man kann sich zwar für die Zukunft rüsten, indem man Strategien oder Visionen formuliert. Aber das Wissen darüber, was die Zukunft wirklich bringt, steht auch in keinem unserer fast 9.5 Millionen Bücher und E-Medien. Oder vielleicht doch …?
Das Alter der UB kennen wir übrigens aufgrund eines handgeschriebenen Kaufvermerks in einer Inkunabel. Dieses «Catholicon» ist das älteste Beweisstück eines Buches, das der Universität gehört und legt so den Grundstein für das mutmassliche Gründungsjahr 1471. (Selbstverständlich besitzt die UB auch viele Bücher und Handschriften, die noch älter sind, aber diese kamen erst später in ihren Besitz.)
Beim sogenannten «Catholicon», das diesen Geburtsschein der UB in sich trägt, handelt es sich um ein lateinisches Wörterbuch mit enzyklopädischen Einträgen. Der Druck aus dem Jahr 1460 wird traditionell der Druckerwerkstatt von Johannes Gutenberg zugeschrieben. Auf einmal kommt mir die Idee, dass ich dieses erste Werk der UB dazu befragen könnte, was es denn über die Zukunft zu sagen hat? Voller Neugierde schlage ich bei F für «Futurus» nach. Herb ist die Enttäuschung, als ich feststelle, dass hier nur das Futur als grammatikalische Zeitform behandelt wird. Aber vielleicht hat der Autor – sicher ein weiser und weitsichtiger Mönch – hier etwas verborgen, das uns helfen kann, die Zukunft vorauszusagen? Und siehe da, ich stosse unter «Futurus» auf den Satz: «Quia qualis casus precedit talis debet sequi.» Zu Deutsch: «Denn was für ein Fall [im Satz] vorangeht, ein solcher muss auch folgen.» Und ich bin mir sicher, der Mönch wollte uns eine verschlüsselte Botschaft übermitteln: So wie die UB ihre ersten 555 Jahre erfolgreich überstanden hat, wird sie auch die nächsten 555 Jahre mit Bravour meistern!
Dass wir uns trotz dieser «Prophezeiung » nicht nur geschmeichelt zurücklehnen, sondern gleich voller Neugier und Motivation mit der Planung des kommenden «Halbmillenniums» loslegen, versteht sich von selbst. Unsere Strategie gibt uns einen Kompass für die nächsten 4 dieser 555 Jahre: Die UB stärkt den offenen Zugang zu verlässlichem Wissen, bietet Orientierung in der Informationsflut, entwickelt die Angebote nach dem Bedarf unserer Benutzer*innen weiter und öffnet neue digitale Wissensräume – getragen von Menschen, die den Grundstein für die nächsten 555 Jahre mit Expertise und Herzblut gestalten können und wollen.
Anno 2026, Dr. Alice Keller, Direktorin der UB
Vor 150 Jahren fusionierten die 1836 begründete Historische Gesellschaft und die 1842 aus ihr abgezweigte Antiquarische Gesellschaft zur Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel. Aus Anlass ihres Jubiläums präsentiert die HAG in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Basel und dem Historischen Museum vom Oktober 2025 bis Februar 2026 im Historischen Museum und in der Universitätsbibliothek je eine Vitrinenausstellung. Während in ersterer anhand von ausgewählten Objekten und Dokumenten die Sammel- und Forschertätigkeit der Gesellschaft thematisiert wird, würdigt die Vitrine in der UB die Vortrags- und Publikationstätigkeit der HAG.
Herausgeberin Universitätsbibliothek Basel | Datum Juni 2026
Redaktion Nathalie Baumann, Lilly Ludwig
Grafisches Konzept/Gestaltung Continue AG | Korrektorat Birgit Althaler
Fotos Erik Schmidt (London Calling: Bibliothek), Christian Flierl (Thomas Grob: Digitalisierung), Thomas Brütsch (Thomas Grob: Senn-Bau)
Druck Effingermedien AG
Kontakt sekretariat-ub@clutterunibas.ch